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„Sobald du deinen Alkoholkonsum reduzieren musst, hast du ein Alkoholproblem.“
Das Zitat ist zwar gut, aber nicht ganz fair. Du kannst ein problematisches Trinkverhalten zeigen, ohne an einer Alkoholkonsumstörungzu leiden. Die Frage „Bin ich alkoholabhängig?“ ist jedoch ein vernünftiger Ausgangspunkt, um mit dir selbst über deinen Alkoholkonsum ins Gespräch zu kommen.
Als Nächstes gilt es herauszufinden, ob du ein Alkoholproblem oder eine Sucht hast. Beides muss angegangen werden, aber die jeweiligen Schritte unterscheiden sich.
Wenn du innerhalb von zwei Stunden vier bis fünf alkoholische Getränke trinkst (vier oder mehr bei Frauen; fünf oder mehr bei Männern), gilt das als Rauschtrinken. Das kommt recht häufig vor: Jeder sechste Erwachsene in den USA gibt an, einmal pro Woche oder viermal im Monat Rauschtrinken zu betreiben.
Rauschtrinken ist zwar problematisch – und manchmal tödlich –, weist aber in der Regel nicht auf eine Sucht oder körperliche Abhängigkeit von Alkohol hin. Rauschtrinken ist häufiger bei Männern und Menschen zwischen 18 und 34 Jahren, doch sie sind nicht körperlich abhängig.
Eine körperliche Abhängigkeit von Alkohol zeigt sich am besten daran, was bei fehlendem Alkohol geschieht. Wer körperlich abhängig ist, fühlt sich ohne Alkohol unvollständig oder hat „Schmerzen“. Dennoch bedeutet körperliche Abhängigkeit nicht zwangsläufig, dass eine Person eine Sucht hat, sondern nur, dass sie abhängig ist. Häufig folgt eine Alkoholsucht, aber das ist nicht immer der Fall.
Bei Menschen, die trinken, aber nicht körperlich abhängig sind (also etwa keine Angst ohne Alkohol und keine der zahlreichen Entzugserscheinungenerleben), scheint es sich eher um Alkoholmissbrauch als um eine Störung oder Sucht zu handeln.
Eine körperliche Alkoholabhängigkeit ist in der Regel eine physiologische Reaktion auf die Substanz. Ohne Alkohol ist eine betroffene Person nicht in der Lage, zu funktionieren, an Besprechungen teilzunehmen, zur Arbeit oder zu gesellschaftlichen Veranstaltungen zu gehen. Bei vielen entwickelt sich daraus eine Sucht, doch das ist nicht immer der Fall. Menschen mit körperlicher Alkoholabhängigkeit möchten sich „normal“ fühlen und nicht unbedingt fliehen oder sich betäuben.
Bei einer körperlichen Alkoholabhängigkeit kann eine Person ohne Alkohol nicht funktionieren. Sie unterscheidet sich von einer Sucht und auch von problematischem Trinkverhalten, weil sie in der Regel weder wöchentliches übermäßiges Trinken noch die Unfähigkeit bedeutet, mit dem Trinken aufzuhören. Vielmehr wird Alkohol benötigt, um den Tag zu bewältigen – ähnlich wie viele Menschen eine Tasse Kaffee brauchen, weil sie sonst Kopfschmerzen bekommen oder einfach nicht wach bleiben können.
Viele bekannte Persönlichkeiten haben ihr Verhältnis zu Alkohol als körperliche Abhängigkeit und nicht als Sucht beschrieben.
Für suchtkranke Menschen ist es nahezu unmöglich, nur ein Getränk zu trinken oder dieses Gefühl von Normalität zu erreichen. Bei Menschen mit einer Alkoholkonsumstörung hat sich das Belohnungssystem im Gehirn so verändert, dass Alkohol als ein für ihre Gesundheit ebenso grundlegendes Bedürfnis wie Wasser wahrgenommen wird.
Das ist der Grund, warum Menschen mit einer Sucht häufig impulsiv reagieren und Chaos hinterlassen. Es ist schwierig, ein vernünftiges Gespräch mit jemandem zu führen, der das Gefühl hat, vor Durst und Hunger zu sterben.
Der Belastungstest für Alkoholismus besteht darin, 24 Stunden nüchtern zu bleiben und zu beobachten, wie du dich fühlst. Bei Menschen mit einer Sucht können bereits sechs Stunden nach dem letzten alkoholischen Getränk Entzugserscheinungen auftreten.
Körperlich abhängige Menschen können entzugsähnliche Symptome erleben, aber vielleicht nicht das überwältigende Verlangen, das bei einer Alkoholkonsumstörung (AUD) auftreten kann. Wer einigermaßen regelmäßig Rauschtrinken betreibt, hat vielleicht einen Kater, aber kein starkes Verlangen nach Alkohol.
Zur Erinnerung: Wenn du 24 Stunden ohne Alkohol auskommst, bedeutet das nicht, dass du keine Sucht hast. Viele suchtkranke Menschen waren über längere Zeit nüchtern, um sich selbst zu überzeugen, dass sie kein Problem haben.
Ein Faktor, den du immer berücksichtigen solltest, ist, wie diese Zeit verbracht wird. Viele suchtkranke Menschen denken ununterbrochen daran, wann sie wieder trinken können. Daran zeigt sich, dass sich das Gehirn verändert hat.
Ansonsten helfen dir die folgenden Fragen dabei festzustellen, ob du alkoholabhängig bist.
Möchtest du weniger trinken, kannst aber nicht aufhören?
Trinkst du trotz negativer Folgen Alkohol?
Trinkst du mehr und länger als beabsichtigt?
Hast du regelmäßig starkes Verlangen nach Alkohol?
Richtest du deinen Tagesablauf danach aus, wann du trinken kannst, und opferst dafür häufig Hobbys oder Zeit mit dir nahestehenden Menschen?
Wenn du eine dieser Fragen mit Ja beantwortest, deutet das auf Alkoholismus oder eine Alkoholkonsumstörung (AUD) hin. Zum Glück kannst du Schritte unternehmen, um nüchtern zu werden und zu bleiben.
Für viele Menschen beginnt die Behandlung einer Alkoholkonsumstörung in einer Reha. Eine Reha kann die Auswirkungen des Alkoholentzugs lindern und damit das Risiko verringern, einen Rückfall zu erleiden besonders in den ersten Tagen der Nüchternheit. Allerdings gibt es auch viele Menschen, die sich mit reiner Willenskraft bis zur Nüchternheit durchkämpfen.
Danach wird Menschen mit Alkoholabhängigkeit oft empfohlen, an Meetings oder einer Therapie teilzunehmen, um die zugrunde liegenden Ursachen ihres Trinkens zu besprechen. Bei vielen sind es Schmerzen, die sie mit Alkohol betäuben wollen; diese Schmerzen müssen angegangen statt ignoriert werden.
Vor allem ist wichtig, dass du nüchtern bleibst, sobald du dich dazu entschlossen hast.
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